4. Oktober 2022
Mit Maske und Plakat

Zum Tod des Aktionskünstlers Kurt Jotter

Gedenken, Bilder, Interviews
*** Abendveranstaltung für den Aktionskünstler Kurt Jotter mit Gefährten und Gefährtinnen im Rahmen der artweeks im KunsTHaus KuLe, Auguststraße 10 in Berlin-Mitte | Do., 22. September 2022, 19:30 Uhr ***
Der Berliner Plakat- und Aktionskünstler Kurt Jotter ist verstorben. Die letzten Wochen war Kurt nicht mehr zu erreichen, auch seine Telefone waren abgemeldet. Im vergangenen Jahr wurde er auf dem Fahrrad von einem Auto erfasst. Von diesem Unfall hat er sich nur langsam erholt. Auch fühlte er sich durch die Corona-Zeit sehr eingeschränkt in seiner auf Öffentlichkeit ausgerichteten Arbeit. Anfang des Jahres verstarb seine langjährige Lebensgefährtin, um die er sich kümmerte.
Am 2. Juni 2022 haben nun auch Kurt seine Kräfte verlassen, über die er ja zu Lebzeiten reichlich verfügte und die er großzügig hergab.

In den letzten zehn Jahren hat er sein Schaffen der Mieterbewegung zur Verfügung gestellt und in kreativer, gestalterischer Manier den Protest und die Anliegen der Mieter und Mieterinnen artikuliert. So konnte auch das Büro für ungewöhnliche Maßnamen, welches Kurt mit begründet hatte und bereits in den 80er Jahren die Westberliner Politik aufmischte, wieder aufleben.
Kurt Jotter bereicherte die Bewegung wesentlich, da es ihm immer wieder gelang, mit den Mitteln der Gestaltung und Inszenierung wichtige Fragen und die politischen Anliegen der Mieter*innen in fast ikonographischen Bildern zuzuspitzen. Mit den Performances und seinen Mitstreiter*innen vom Büro schaffte er ausdrucksstarke Präsenz, mit der er auch weitere emanzipatorische Anliegen bearbeitete und zum Beispiel die globalisierungskritische Bewegung unterstützte. Wir werden unseren leidenschaftlichen Gefährten vermissen.
Matthias Coers, Peter Nowak, Grischa Dallmer
Berlin, 20. Juli 2022

Das Titelbild zeigt Kurt Jotter und seine Mitstreiter*innen beim Performance-Protest Hai-Society vorm dbb-Forum in der Berliner Friedrichstraße anlässlich des Berliner Immobilienkongresses.
Das zweite Foto zeigt ihn mit Styroporplatte als Pranger – einem Element aus seiner Performance DÄMMokratie – im aufgeheizten Gespräch mit dem Mieter Sven Fischer und dem damaligen Justizminister Heiko Maas. Nach einer Veranstaltung der mit dem ehemaligen Großvermieter Akelius ringenden Seniorinnen und Senioren am Hansa-Ufer 5.
Das dritte Bild entstand zum Abschluss des unten verlinkten Interviews für das MieterEcho. Kurt zeigt hier seinen Plakate-Entwurf für die Mietenstopp-Demo.

Das vierte Bild zeigt einen Ausschnitt der von Kurt entwickelten Inszenierung DÄMMokratie, die er zusammen mit Mieter*innen aus Schmargendorf vorm Reichstag präsentierte.
Das fünfte Bild zeigt das Büro für ungewöhnliche Maßnahmen bei einer lautstarken und knalligen Aktion gegen Rechtspopulismus und atomares Großmachtgebaren auf einer TTIP-Demonstration.

Interviews und Artikel mit und zu Kurt Jotter in taz, nd und MieterEcho
https://taz.de/Aktionskunst-in-Berlin/!5362194/
https://www.pressreader.com/germany/neues-deutschland/20161228/282046211760454